Bogenschießen hilft loslassen

Das Bogenschießen im Sinne der Initiatische Therapie

Ich kenne Bogenschießen aus der Zeit meiner Ausbildung am Benediktshof in Münster. Wir sollten in diesem Zusammenhang ein ganzes Wochenende mit dem Meditativen Bogenschießen verbringen. Für mich war es damals ein besonderes Erlebnis, denn interessiert hat es mich schon länger.

Beeindruckend war damals, dass wir am Freitagabend mit der Einweisung begannen, den ganzen Samstag über bereiteten wir uns auf den Abschuss der Pfeile vor und am Sonntagvormittag, in der letzten Einheit des Kurses, durften wir dann 3 Pfeile auf die Zielscheibe abschießen.

Ich traf tatsächlich fast in die Mitte.

Aber ums Treffen ging es damals gar nicht. Das Wochenende lehrte mich das Atmen, das Zentrieren und vor allem das bei sich bleiben!!! Und Gedanken loszulassen, um am Ende absichtslos den Pfeil los zu lassen! Somit auch einen Teil von sich selbst.

Dabei denke ich immer an das Zitat von Karlfried Dürckheim. Sieh und geh das Leben als Exerzitium (Übungsweg).

Jetzt war ich nach vielen Jahren wieder Bogenschießen.

In den Jahren dazwischen war das Bogenschießen offenbar bei mir nicht dran. Zumindest nicht in dieser spirituellen Art und Weise. Vor ein paar Jahren war ich zweimal in einem Freizeitparcour nahe Würzburg, aber das Erlebnis von damals konnte ich nicht replizieren. Das war keine spirituelle Erfahrung.

Diese sportliche Variante war schön. Und natürlich auch dort war eine gute innere und äußere Konzentration hilfreich und mein fließender Atem half mir.

Letztes Wochenende hatte ich wieder ein besonderes Erlebnis beim Bogenschießen.

Bogenschießen loslassenIch hatte mich zu einem Kurs in einer Kleingruppe angemeldet und freute mich darauf. Ja, nicht nur das, ich hatte eine feste Absicht mitgebracht. Ich nahm mir nämlich vor, etwas Unschönes aus meinem momentanen Leben loszulassen bzw. wegzuschießen …

Aber ich stieß auf mein inneres und äußeres unbedingtes Wollen. Und wie Ihr Euch vorstellen könnt, war das hinderlich. Und so ging der Pfeil nicht in die Richtung, wie ich es mir vorstellte, nicht ins Ziel.

Genau das war aber wohl der Lernschritt, den ich gehen musste. Weil ich krampfhaft etwas loswerden wollte, klappte es nicht so, wie ich wollte.

Als ich das verstanden hatte, passierte doch ein inneres, spürbares Los-lassen. Das nahm ich ein paar Tage später mit großer Dankbarkeit wahr.

Und so passiert loslassen immer dann, wenn Du bereit dafür bist. Vielleicht beim Bogenschießen. Vielleicht auch „einfach so“.

 

Bilder: Sonja Heinemann